6 Fragen an Eray Egilmez

Heute sind wir am Heimathafen und du wirst die Tage die NSU Monloge mit drei Kolleginnen vortragen. Außerdem werden wir dich ab dem 28.September in einer Kinokomödie an der Seite von Veronica Ferres in deiner ersten Kinohauptrolle sehen. Wie passt das zusammen?

Ich finde es ist wichtig herauszufinden was man selbst im Leben / im Herzen will und ich möchte mit meiner Arbeit eben nicht nur erfolgreich tolle Rollen im Kino oder auf der Bühne spielen, sondern auch meinen Beitrag für eine gerechte und verständnisvolle Welt leisten. Und mit solchen Projekten wie den NSU oder Asyl Monologen bei der Bühne für Menschenrechte kann ich das tun. Teil des Mainstream zu sein schließt soziales Engagement nicht aus. Gegensätze ziehen sich nicht nur an sondern sind Teil der Realität. Popcorn Kino schließt Arthouse Filme nicht aus.

Genauso wie wir bist du ja durch und durch Kreuzberger. Was gefällt dir am besten am Leben in Kreuzberg und Berlin im allgemeinen und was hat sich in den letzten Jahren so verändert?

Kreuzberg ist ein sehr lebendiger Ort und steht für viele verschiedene Lebensentwürfe von sehr unterschiedlichen Menschen. Freiheit und Solidarität werden hier groß geschrieben. Es ist ein besonderer Ort in Deutschland, der sehr fortschrittlich im menschlichen Miteinander ist. Das ist ein Grund glaube ich, warum viele Leute hierher kommen und von dem Bezirk fasziniert sind. Was hier funktioniert ist für viele Menschen von außen ein kleines Wunder oder ein Pulverfass. Leider steht für viele Besucher und Neuankömmlinge nur der Party und Drogentourismus im Vordergrund. Und Investoren bereichern sich auf Kosten der Alteingesessenen. Wohnraum ist für sie kaum noch bezahlbar und das obwohl sie diesen Kiez über die Jahre hinweg mit geprägt haben. Das ist sehr traurig und stellt viele Menschen hier vor schwierige Zeiten. Aber es gibt eben tolle kämpferische Läden hier, die mehr als den Kommerz sehen und einen wichtigen sozialen Beitrag leisten, wie zum Beispiel der „Südblock“, das „SO36“ oder der „Bilgisaray“ am Heinrichplatz. 

Von 2006 – 2011 warst du auch ein Kopf der BlueManGroup, wie kam es dazu?

Ein Freund machte mich darauf aufmerksam. Nach der Audition boten sie mir und ein paar anderen Teilnehmern Trommelunterricht an. Schauspielerisch passte alles, aber musikalisch war ich eine Null. Also lernte ich knapp ein Jahr lang trommeln. Dann hab ich mich in New York beim Training für die Show durchgesetzt und wurde BlueMan. Eine wundervolle Erfahrung und eine großartige Show. Ich fühle mich auch der BlueMan Familie weiterhin tief verbunden.

Was ist für dich der maßgebliche Unterschied zwischen Fernsehen und Film?

Öffentlich rechtliches Fernsehen hat einen Bildungsauftrag, deswegen haben viele Produktionen einen unsichtbaren Zeigefinger. Was manchmal nervt, aber auch wichtig ist. Wir kommen auf der einen Seite dadurch in den Genuss von vielen tollen unterschiedlichen Formaten, die trotz schlechter Quote weiter gesendet werden können. Formate wie z.B. „Türkisch für Anfänger“ wären bei Privatsendern recht schnell abgesetzt worden, da dort die Quote eher den Inhalt bestimmt. Seit ich Vater bin sitze ich wieder vor der Glotze und schau z.B. „Sendung mit der Maus“. Großartig. Film hingegen ist viel unabhängiger und die Geschichten überraschender. Der Regisseur darf beim Film viel mehr seiner Vision folgen und hat weniger Menschen um sich, die ihm ins künstlerische reinreden. 

Als Episodendarsteller warst du auch bei Homeland zu sehen, die ja nun wirklich fast jeder kennt. Bist du zufrieden mit deinem Auftritt oder was gefällt dir nicht?

Erstmal war das ein Knaller zu erfahren, dass ich mit Claire Daines eine Szene bei „Homeland“ spiele. WTF. Ich war überwältig und konnte es gar nicht fassen. Ich war erstmal dankbar und glücklich über diese Chance und die Erfahrung mit Leuten aus Hollywood zu arbeiten. Klar hätte ich gerne lieber die Rolle von Alexander Fehling ( Partner von Claire Daines in der Staffel) übernommen, aber in solch einer Serie müssen nun mal auch die Klischee Figuren besetzt werden. Das gehört zum Job dazu, sich damit anzufreunden und gleichzeitig für eine stärkere Differenzierung der Figuren und Geschichten zu kämpfen.

Im September kommt der Kinofilm „unter deutschen Betten“ mit dir als einer der Hauptdarsteller an der Seite von Veronica Ferres heraus. Wie liefen die Dreharbeiten und wie siehst du die Chancen für dich als Schauspieler danach?

Die Dreharbeiten waren ein Traum. Ich war wegen Veronica sehr aufgeregt, aber von der ersten Minute an war sie sehr herzlich, unterstützend und professionell. Ich habe es sehr geschätzt mit ihr zu arbeiten und sie hat mir die Arbeit durch ihre Art erleichtert. Das Team war außerdem Klasse und die Chemie hat einfach gestimmt. Und als Hauptfigur hast du viel mehr Gestaltungsmöglichkeiten und das macht süchtig. Ich genieße diese Verantwortung und bin dadurch noch etwas mehr gereift als Schauspieler. Wie heißt es so schön „Du wächst mit deinen Herausforderungen“. Jetzt bin ich natürlich wahnsinnig gespannt auf den Film und einfach neugierig was sich danach ergeben wird.

 

Eray ist am 14. 16. und 18.03.2017 im Heimathafen Neukölln in dem Stück „die NSU Monologe“ zu sehen.

Tickets für die Vorstellungen bekommt ihr hier.

 

NSU Monloge

eray egilmez