Gottfried Lindauer - Die Māori Portraits: Mrs Paramena

Der in Pilsen (heute Tschechien) geborene Maler Gottfried Lindauer (1839-1926) behandelte in seinen Arbeiten fast ausschließlich die Māori in Neuseeland. Er hatte an der Wiener Kunstakademie studiert, um jedoch der Einberufung zum ungarisch-österreichischen Krieg zu entgehen, wanderte Landauer nach Neuseeland aus. Dort malte er dann viele Porträts und Alltagsszenen des indigenen Volkes. Die Ausstellung in der alten Nationalgalerie in Berlin wurde in Zusammenarbeit mit der Auckland Art Gallery Toi o Tāmaki, der größten Kunstinstitution Neuseelands, konzipiert. Die Bilder von Gottfried Lindauer sind zum ersten Mal außerhalb Neuseelands zu sehen, da die Nachfahren der Dargestellten bisher nie die Erlaubnis erteilt hatten, diese außerhalb Neuseelands zu zeigen. Die Nachkommen halten das Gedenken an ihre Vorfahren lebendig und rufen die Verbindung der Generationen zu Abstammung, Geschichte und Identität bis heute deutlich ins Bewusstsein.

Gottfried Lindauer – Die Māori Portraits

Der deutsche Mediziner und Ethnologe Karl von den Steinen (*1855 ; † 1929) erläutert in Band 1 „Tatauierung: mit einer Geschichte der Inselgruppe und einer vergleichenden Einleitung über den polynesischen Brauch“ seiner Schriften „Die Marquesaner und ihre Kunst“ von 1925:

„Das kühle, veränderliche Klima hatte zur Folge, dass die Māori in lange Hanf- und Federmäntel gehüllt waren und sich somit die Tätowierung auf das Gesicht konzentrierte. Der Schmuck „ta moko“ – „Eidechse“ genannt scheint unpassend. Jedoch besitzt die Eidechse in der Mythenpoesie der Maori dämonische Macht und ist ein todverkündendes Ahnentier, das bei unerwarteter Begegnung selbst die Mutigsten erzittern ließ.“

In der Mythologie der Maori ist die Tatauierung aus der Unterwelt stammend und göttlich:

„Der göttliche Tatauiermeister Uetonga, ein Enkel des Erdbebengottes, lebt in der Unterwelt. Seine Tochter Niwareka verheiratete sich mit Mataora aus der Oberwelt. Nach heftigen Streit des Paares verließ Niwareka ihren Mann und ging zurück in die Unterwelt. Ihr Mann folgte ihr nach und stieß auf Uetonga, der ihm seine bereits bestehende Tätowierung des Gesichts als Pfuscharbeit aus dem Gesicht wischte und ihm ein wahres Moko tatauierte. Unter Schmerzen rief Mataora seine Frau, die ihn anhand seiner Klagen erkannte und herbeieilte ihn zu heilen. Danach gingen Mataora und seine Frau wieder zurück in die Oberwelt. In Zukunft sollte das Tor zur Unterwelt verschlossen bleiben, sodass kein Mensch mehr hinabsteigen könne. Mataora brachte den Menschen die Kunst des wahren Tatauierens bei.“

Alte Nationalgalerie. Bodestraße 1-3. 10178 Berlin
Bis 12. April 2015. Dienstag, Mittwoch, Freitag – Sonntag, 10-18 Uhr Donnerstag 10-20Uhr

 

 

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