Code of Labour Practices / Arbeitsverhaltenskodex der Fair Wear Foundation

Seit 2016 sind wir Mitglied bei der Fair Wear Foundation. Und wir haben es wieder geschafft! Zum zweiten Mal haben wir im Juni 2019 den Leader-Status erhalten.

Die Basis der Zusammenarbeit mit Fair Wear bildet der sogenannte „Code of Labour Practices“. Dieser gibt 8 Arbeitsrichtlinien vor, die sich aus den IAO-Übereinkommen und der UN-Menschenrechtserklärung ableiten.

IRIEDAILY Fair Wear

1 Freie Arbeitswahl
Es darf keine Zwangsarbeit, einschließlich Schuldknechtschaft oder Gefangenenarbeit, eingesetzt werden.

2 Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen
Das Recht aller Arbeitnehmer*innen, Gewerkschaften zu gründen und ihnen beizutreten sowie Tarifverhandlungen zu führen.

3 Keine Diskriminierung am Arbeitsplatz
Alle Aspekte des Arbeitsverhältnisses müssen auf dem Prinzip der Chancengleichheit beruhen, ungeachtet von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Religion, politischer Zugehörigkeit, Gewerkschaftszugehörigkeit, Nationalität, sozialer Herkunft, Mängeln oder Behinderungen.

4 Keine Ausbeutung durch Kinderarbeit
Es darf keine Kinderarbeit eingesetzt werden. Das Alter für die Zulassung zur Beschäftigung darf nicht unter dem Alter des Abschlusses der Schulpflicht und auf keinen Fall unter 15 Jahren liegen. Unter 18-jährige dürfen keine Arbeiten verrichten, die ihrer Gesundheit, Sicherheit oder Moral schaden könnten.

5 Zahlung existenzsichernder Löhne
Löhne und Leistungen, die für eine Standard-Arbeitswoche gezahlt werden, müssen mindestens den gesetzlichen oder branchenüblichen Mindeststandards entsprechen und immer ausreichend sein, um die Grundbedürfnisse der Arbeitnehmer und ihrer Familien zu befriedigen und ein gewisses Ermessenseinkommen zu ermöglichen.

6 Angemessene Arbeitszeiten
Die Arbeitszeiten müssen den geltenden Gesetzen und Industriestandards entsprechen. Arbeiter*innen dürfen regelmäßig nicht mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten. Für jeden Sieben-Tage-Zeitraum ist mindestens ein freier Tag zur Verfügung zu stellen. Überstunden müssen freiwillig sein, dürfen 12 Stunden pro Woche nicht überschreiten, dürfen nicht regelmäßig verlangt werden und müssen immer mit einem Zuschlag vergütet werden.

7 Sichere und gesundheitsverträgliche Arbeitsbedingungen
Gewährleistung einer sicheren und hygienischen Arbeitsumgebung, wobei den branchenspezifischen Berufsrisiken angemessene Aufmerksamkeit zu widmen ist. Dadurch sollen Unfälle verhindert und Gesundheitsrisiken minimiert werden. Körperliche Misshandlung und Androhung dieser sowie sexuelle und andere Belästigungen sind strengstens verboten.

8 Ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis
Arbeits- oder sozialversicherungsrechtliche Verpflichtungen gegenüber Arbeitnehmern dürfen nicht durch Inanspruchnahme von Nur-Arbeitskraft-Verträgen oder durch Ausbildungsprogramme umgangen werden. Jüngere Arbeitnehmer*innen sollen die Gelegenheit haben, an Ausbildungs- und Trainingsprogrammen teilzunehmen.

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Existenzsichernde Löhne

Einen besonderen Fokus haben wir bei der Zielsetzung für das Jahr 2019 auf den fünften Punkt des Kodex gelegt – die Zahlung von existenzsichernden Löhnen.
Wir können euch versichern, dass alle Arbeiter*innen die IRIEDAILY Artikel herstellen, den gesetzlichen Mindestlohn, auf Basis der geltenden Gesetze im jeweiligen Produktionsland, verdienen. Wir unterscheiden jedoch zwischen Mindestlohn und existenzsichernden Löhnen.

Der reguläre Mindestlohn, der auf einer 40-Stunden-Woche basiert, sollte normalerweise alle Grundbedürfnisse abdecken, aber oft reicht er bei Weitem nicht aus, um die Lebenshaltungskosten einer ganzen Familie zu decken. Deshalb hat die Zahlung von fairen und existenzsichernden Löhnen für uns höchste Priorität.
Jeder Arbeiterin soll die Möglichkeit haben, ohne zusätzliche Überstunden, von seinem/ihrem Einkommen leben zu können und sich etwas beiseitezulegen. Die Modeindustrie darf ihren Profit nicht auf den Schultern von schlecht bezahlten Näher*innen aufbauen.

2019 haben wir uns intensiv mit den gezahlten Löhnen, sowie den Anwesenheitslisten der Arbeiter*innen aus den Fabriken auseinandergesetzt, in denen ein Großteil unserer Produkte gefertigt werden. Somit konnten wir genau ermitteln, wie viel jede/r Arbeiter*in ohne Zuschläge, bei einer 40 Stunden Woche, verdient.
Anhand dieser Werte und der Transparenz unseres wichtigsten Zulieferers in China, waren wir in der Lage unseren Anteil an existenzsichernden Löhnen, basierend auf der Asia Floor Wage, zu definieren. Wir ermittelten wie viel uns eine Fertigungsminute kostet und konnten so herausfinden, welchen Lohn wir pro Minute mehr zahlen müssten, um einen existenzsichernden Lohn am Ende des Monats bei jedem/r Arbeiter*in zu gewährleisten. Die Rechnung dazu ist sehr umfangreich und beachtet viele Faktoren. Den genauen Berechnungsschlüssel findet ihr im Social Report auf den Seiten 11-14.

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Existenzsichernde Löhne sind ein MUSS, wenn wir die Bekleidungsindustrie nachhaltig verändern wollen!

Vermeidung von Überstunden

Eine weitere wichtige Zielsetzung für 2019 war die Vermeidung von Überstunden der Arbeiter*innen in den Fabriken. In unseren Produktionsstätten in Portugal herrscht europäisches Recht, das sieht in China etwas anders aus. Viele Arbeiter*innen verlassen ihre Heimat, sind meist das ganze Jahr von ihren Familien getrennt und wollen in dieser Zeit möglichst viel Geld verdienen.

Oftmals arbeiten sie 60+ Stunden die Woche, um einen möglichst hohen Ertrag am Ende des Monats zu erhalten. Dies liegt natürlich nicht in unserem Interesse, da uns die Gesundheit unserer Näher*innen am Herzen liegt. Deshalb hoffen wir, dass durch die Zahlung existenzsichernder Löhne, die Motivation übermäßig viele Überstunden zu leisten bei den Arbeiter*innen sinkt, da sie durch den höheren Lohn auf die Mehrbelastung verzichten können.